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Wenn der 'Schlitten' versagt – Austausch einer Teilgelenkprothese

Eine künstliche Teilgelenkprothese, auch Schlittenprothese genannt, hat gegenüber einer Knie-Total-Endoprothese einige Vorteile: so sind Patienten in der Regel schneller wieder mobil und die Rekonvaleszenz-Zeit ist häufig verkürzt.

Nichtsdestotrotz ist das Risiko einer erneuten Operation höher nach Implantation einer Schlittenprothese (EFORT Open Rev 2021;6:850-860). Die Hauptursache für ein Versagen der Prothese liegt in der Lockerung der Prothese selbst und in einem Fortschreiten der Arthrose in den anderen Gelenkanteilen des Kniegelenks.

Schlittenprothese als Option

Dr. Robert Habelt, Chefarzt Kniechirurgie in der Maybach Klinik, bespricht die Option einer Schlittenprothese immer dann mit seinen Patienten als mögliche (gute) Option, wenn die Kompartimente im Gelenk und das vordere Kreuzband intakt sind. Beim Patient darf kein ausgeprägtes O- oder X-Bein vorliegen; Rheuma ist eine Kontraindikation, Adipositas per magna eine relative Kontraindikation.

Von den 190.000 im Jahr 2019 in Deutschland implantierten künstlichen Kniegelenken waren 13,5 % Schlittenprothesen (EPRD Jahresbericht 2020). Dr. Habelt: „Die meisten künstlichen Kniegelenke halten mindestens 15 bis 20 Jahre. Es kann jedoch vorkommen, dass die Verankerung einzelner Komponenten einer Knieprothese im Knochen nachlässt. Es kommt dann zu einer sogenannten Knieprothesenlockerung. Und genau dieses Problem zeigte sich bei einer Patientin in meiner Sprechstunde.“

Röntgenbild der gelockerten Prothese

„Schlittenprothesen-Lockerung“

Die Patientin stellte sich mit anhaltenden Beschwerden am rechten Knie in der Kniesprechstunde in der Maybach Klinik vor. Ihr wurde vor einem guten Jahr in einem anderen Haus eine Schlittenprothese implantiert. „Auf den von uns angefertigten Röntgenbildern zeigte sich bereits eine deutliche Lockerung des tibialen Prothesenanteils. Zur Sicherung der Diagnose wurde zusätzlich eine Skelettszintigraphie durchgeführt“, erläutert Dr. Habelt die Diagnosestellung.

Revisions-OP als einzige Lösung

Da ein gelockerter Schlitten nicht mehr geeignet ist, die Last des Körpers ohne Beschwerden zu tragen, wurde die Indikation zur Wechseloperation gestellt. Aufgrund des entstandenen Knochendefekts am Unterschenkel war es notwendig, eine Verankerung im Knochenschaft mit Knochenzement herzustellen.

„Hierfür bieten verschiedene Prothesenhersteller modulare Systeme an, um je nach Größe des Kno- chendefektes und angepasst an die anatomischen Verhältnisse des Betroffenen eine optimierte Beweglichkeit und Stabilität für das Kniegelenk herzustellen“, beschreibt Dr. Habelt die Möglichkeiten in der Orthopädie.

Intraoperativ bestätigte sich die Lockerung der Schlittenprothese, welche daher entfernt wurde. An- schließend erfolgte eine gründliche Säuberung des Knochens, um bestmögliche Verhältnisse zur Implantation einer Oberflächenersatzprothese zu schaffen. Die gesamte OP verlief komplikationsfrei.

Nach einer kurzen Zeit im Krankenhaus mit anschließender ambulanter Rehabilitation und Physiotherapie war die Patientin gut mobil und konnte wieder in den Alltag und ins Arbeitsleben zurückkehren.

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